Ameisen sind Frühaufsteher – Zaunwicke schmeckt nach Erbse
gj 30. Juni 2010
Jetzt, in dieser Jahresezeit, die Wiesen sind hoch gewachsen, die Wegsäume dicht, schaffen es bestimmte Pflanzenarten mit Hilfe von Klettervorrichtungen, hoch hinaus zu gelangen. Die Zaunwicke (Vicia sepium) gehört dazu. Lilafarbene Blüten, gefiederte Blätter, Kletterranken.
Früher hatte ich auch schon Wicke probiert. Nur vereinzelt, und erinnere mich nicht mehr, ob es sich damals um die Zaunwicke handelte und wie es schmeckte. Heute weiß ich es und kann sagen. Zaunwicke schmeckt nach frischen, jungen Erbsen. Ein ganz erstaunlicher Geschmack. Ist sogleich mit Erinnerungen verbunden. In den Garten gehen, junge, süße Erbsenschoten abpflücken, gleich vor Ort verspeisen. Wer das als Kind gemacht hat, wird diese Erinnerung in seinem Leib gespeichert haben. Daran erinnerte ich mich, als ich es geschafft hatte, die Triebspitzen der Zaunwicke zu probieren.
Man muss aufpassen, sonst verspeist man eine nicht so delikate Beilage gleich mit. Lebendige Ameisen. Und ich bin mir nicht sicher, ob mir das schmecken würde. Oder überhaupt jemand. Es ist sicher nicht angenehm, von einer Ameise an der Zunge erwischt zu werden.
Und egal, wie früh am Morgen ich bisher aufgetaucht bin, die Ameisen waren immer schon da. Hatten sich schon an den Blüten und Triebspitzen gesammelt. Was suchen sie da?
Ameisen sind immer auf der Suche. Auf der Suche nach Nahrung, insbesondere auf der Suche nach Süßem. Wer genau hinschaut, kann sehen, dass die Ameisen immer wieder eifrig an der Unterseite der kleinen Nebenblätter nachschauen. Dort befinden sich bei der Zaunwicke sogenannte Nektarien – Drüsen, die zuckerreichen Nektar ausscheiden, unabhängig von der Blüte. Und damit wäre die Erklärung gefunden, weswegen die Ameisen so beständig, so früh und so zäh an der Zaunwicke rauf- und runterklettern. Wie früh jetzt allerdings Ameisen aufstehen, vermag ich nicht zu sagen. Und mit Taschenlampe war ich bisher noch nicht Wildgemüse sammeln.
Gartentip: Wie der deutsche Name beschreibt, kann die Zaunwicke z.B. sehr gut am Gartenzaun ausgesät bzw. angepflanzt werden. Dann werden auch hier die Ameisen darauf achten, dass keine Pflanzenfeinde ihrer Nahrungspflanze, die so süßen Nektar spendet, ein Leid antun.






