Wildsalat Erkundungen zu Wildgemüse, Wildkräutern, Wildsalat

A chinese lion statue

Willkommen auf www.wildsalat.de. Ein Blog aus dem eigenen Erleben.
Seit mehr als 20 Jahren begleiten mich Wildkräuter in meinem Leben. Seit mehr als 15 Jahren auch als Wildsalat.
Die Entdeckung des wilden Geschmacks - kraftvoll, gehaltvoll, farbig, lichtvoll, strahlend, wild, rauh, lebendig, überraschend, außergewöhnlich, neuartig, würzig, wohltuend, heilsam.
Bitte unbedingt! nur das sammeln, essen, was ich sicher kenne und bestimmen kann!

Wildgemüse und Wildkräuter in der Freiluftküche

gj 29. Juli 2012

Ein Ausflug in die Wildkräuterküche. Der Anlass: 125 Jahre Landhaus Blätz. Gottfried Blätz (Inhaber und Chefkoch) achtet auf – regionale Produkte, Frischprodukte, ohne Geschmacksverstärker, ohne Mikrowelle und einiges mehr. Für das Jubiläum hatte er neben anderen Aktionen folgende Idee: gemeinsames Sammeln von Wildkräutern, gemeinsames Verarbeiten und Zubereiten, gemeinsames Verspeisen der hoffentlich leckeren Gerichte :-)   Ort des Geschehens: nahe und im Garten der Gaststätte. Zutaten und Beteiligte: Wildkräuter, weitere Lebensmittel, jede Menge Einsatz, Freude, Küchenuntensilien, knapp 20 Personen und ein alter Wamsler (Küchenofen mit Holz befeuert).

Menü:

1) frischer Wildsalat an fruchtigem Dressing mit soutiertem Huflattichröllchen und eingelegten Lindenblüten

2) Wildräuterrahmsuppe

3) Spaghetti mit Wildräutersahnesoße

4) Schweinbraten mit Schafgarbenblütensoße und Blütenbutter

5) Kapuinerkresse in Holundersafttörtchen.

Eigentlich war ich an diesem Wochenende gar nicht vor Ort, hätte gar nicht dabei sein können. Überraschenderweise dann doch. Und da wollte ich mir das nicht entgehen lassen. Ich war dabei, bin mitgelaufen, habe ein paar Erläuterungen zu Wildkräutern und Verwendung gegeben, durfte dann auch mitessen, obwohl ich zwischendrin weg musste, als das Menü zubereitet wurde.

Alles unter freiem Himmel (überdacht von einem Partyzelt). Eine klasse Aktion. Und geschmeckt hat es auch noch.

Was haben wir gesammelt und verwendet? Löwenzahn, Schafgarbeblüten, Brennessel, Aufgeblasenes Leimkraut, Ackerwindenblüte (wenig), Huflattichblätter, Schmalblättriges Weidenröschen, Giersch, Gundermann, Kapuzinerkresse, und noch einige mehr. Leider habe ich keine Notizen gemacht, so dass ich nicht alle Arten aufzählen kann.

Fazit: sollte auf jeden Fall wiederholt werden. Ich habe Gottfried (seit dem duzen wir uns) schon mal locker darauf angesprochen, er war nicht abgeneigt …

Um die Stimmung wiederzugeben, noch ein paar Fotos.

Gleich geht's los

Was nehm' ich bloß?

Ganz konzentriert

Alle sammeln - auch Midou

Vorbereitungen im Freien

Ich warte mal und ruhe aus

Vorspeisen sind fast angerichtet

Der alte Wamsler braucht Holz

Alter Wamsler

Fülle und Farben - Blütenbutter

Wildsalat wieder aktiv

gj 23. Juli 2012

Entschuldigung! Jetzt ruhte der Wildsalat-Blog so lange Zeit. In Anlehnung an einen Freund formuliert, er schnarchte, aber er war nicht tot. Und jetzt soll und wird er wieder aufleben.
Habe ich wirkliche Gründe oder Rechtfertigungen für die ausgedehnte Pause? Nein! Ich habe schöne Rückmeldungen bekommen, bspw. von Großstadtmenschen, denen die Wildsalat-Welt wie ein ferner Kontinent vorkommt. Inhalte des Blogs sind von “Kollegen” in VHS-Seminaren verwendet worden. Klasse. Besonders der Artikel über essbare Triebspitzen von Bäumen war für viele ein richtiges Aha-Erlebnis.
Also, was war es? Das werde ich hier nicht weiter darlegen  und ausführen:), sonden einfach wieder anfangen. Mit einem etwas geänderten Konzept.
Ich werde nicht streng versuchen, ganz regelmäßig zu veröffentlichen, auch wenn das natürlich absolut zu empfehlen ist und für alle, die regelmäßig im Blog nachschauen und ihn nachverfolgen eine große Erleichterung ist. Meine Empfehlung wäre, den RSS-Feed zu abonnieren. Wer sich nicht auskennt, dazu Fragen hat, schreibt mir einfach ein Email oder sucht im Internet Informationen darüber. Es ist lohnend, sich mit dem Thema RSS-Feed zu beschäftigen.

Gesammelte Blüten vom Rotklee

Rotklee-Blüten vor der Verwendung

Könnte sein, dass ich ab und an Artikel einstreue über Randbereiche, dort wo es Berührungspunkte in andere Themen gibt.

Das ist, was ich momentan dazu schreiben kann. Mehr weiß ich nicht. Work in Progress. Neben der Notwendigkeit des Tuns an sich ist auch die Freude daran so wichtig. Und die ist bei mir da.

Übrigens – die Kommentarfunktion ist und steht offen. Da jeder Kommentator beim ersten Kommentar von mir freigeschaltet werden muss (Spamvorsorge) kann es manchmal etwas dauern. Danke für das Verständnis.

P.S. Der Anlass, warum ich wieder angefangen habe im Wildsalat-Blog zu schreiben, steht dann im nächsten Artikel (s.o.). Hier schon mal ein Foto von der Aktion.

Ameisen sind Frühaufsteher – Zaunwicke schmeckt nach Erbse

gj 30. Juni 2010

Jetzt, in dieser Jahresezeit, die Wiesen sind hoch gewachsen, die Wegsäume dicht, schaffen es bestimmte Pflanzenarten mit Hilfe von Klettervorrichtungen, hoch hinaus zu gelangen. Die Zaunwicke (Vicia sepium) gehört dazu. Lilafarbene Blüten, gefiederte Blätter, Kletterranken.
Früher hatte ich auch schon Wicke probiert. Nur vereinzelt, und erinnere mich nicht mehr, ob es sich damals um die Zaunwicke handelte und wie es schmeckte. Heute weiß ich es und kann sagen. Zaunwicke schmeckt nach frischen, jungen Erbsen. Ein ganz erstaunlicher Geschmack. Ist sogleich mit Erinnerungen verbunden. In den Garten gehen, junge, süße Erbsenschoten abpflücken, gleich vor Ort verspeisen. Wer das als Kind gemacht hat, wird diese Erinnerung in seinem Leib gespeichert haben. Daran erinnerte ich mich, als ich es geschafft hatte, die Triebspitzen der Zaunwicke zu probieren.
Man muss aufpassen, sonst verspeist man eine nicht so delikate Beilage gleich mit. Lebendige Ameisen. Und ich bin mir nicht sicher, ob mir das schmecken würde. Oder überhaupt jemand. Es ist sicher nicht angenehm, von einer Ameise an der Zunge erwischt zu werden.

Und egal, wie früh am Morgen ich bisher aufgetaucht bin, die Ameisen waren immer schon da. Hatten sich schon an den Blüten und Triebspitzen gesammelt. Was suchen sie da?
Ameisen sind immer auf der Suche. Auf der Suche nach Nahrung, insbesondere auf der Suche nach Süßem. Wer genau hinschaut, kann sehen, dass die Ameisen immer wieder eifrig an der Unterseite der kleinen Nebenblätter nachschauen. Dort befinden sich bei der Zaunwicke sogenannte Nektarien – Drüsen, die zuckerreichen Nektar ausscheiden, unabhängig von der Blüte. Und damit wäre die Erklärung gefunden, weswegen die Ameisen so beständig, so früh und so zäh an der Zaunwicke rauf- und runterklettern. Wie früh jetzt allerdings Ameisen aufstehen, vermag ich nicht zu sagen. Und mit Taschenlampe war ich bisher noch nicht Wildgemüse sammeln.
Gartentip: Wie der deutsche Name beschreibt, kann die Zaunwicke z.B. sehr gut am Gartenzaun ausgesät bzw. angepflanzt werden. Dann werden auch hier die Ameisen darauf achten, dass keine Pflanzenfeinde ihrer Nahrungspflanze, die so süßen Nektar spendet, ein Leid antun.

Mysteriöse Spuren am Fuß der Bäume – ich träume

gj 4. Juni 2010

Normalerweise bin ich immer mit Midou, meiner Golden Retriever Hündin unterwegs. Jetzt ist sie schon seit 14 Tagen in der Schweiz. Südlich der Alpen. Schön warm und sonnig ist es dort. Und hier, nördlich der Alpen, bei mir? Voralpenland. Kalt, regnerisch, grau. Wieder einmal.
Wer sich einmal daran gewöhnt hat, mit Hund unterwegs zu sein, wird sich schwer umgewöhnen. Oft heißt es ja: “Ach ja, es ist schwer, aber, ich will nicht klagen.” Doch, doch, ich möchte klagen, auch wenn es nichts nützt. Hiermit also getan.
So träume ich ein bisschen von Zeiten mit Midou und erinnere mich an Mitte April:
Das war mir noch nie aufgefallen. Dabei gehe ich hier fast täglich vorbei. Als ob jemand über Nacht seinen pflanzlichen Abfall abgeladen hätte. Gar nicht so kleine Häufchen, am Fuß der Fichten. Vier, fünf Bäume nebeneinander, etwas abseits stehend, und bei allen ein ganz ähnliches Bild. Mysteriös. Muss ich inspizieren.
Midou gesellt sich kurz mal dazu. Mir scheint, für sie ist es nicht wirklich neu.
Näherer Augenschein ergibt folgendes: Ansammlung der Reste von Fichtenzapfen. Die meisten feinsäuberlich auseinandergenommen. Da hat sich jemand viel Mühe gegeben, fleißig gesammelt. Oder sind das Überreste von Mahlzeiten?
Es gibt für mich nur eine Erklärung. Eichhörnchen. Sie schwärmen aus in die Umgebung, klauben die Zapfen und tragen sie an den Fuß großer Bäume. Hocken sich hin, nagen und schälen die Zapfen, verspeisen die Nüsschen. Im Ernstfall, wenn beispielsweise Midou heranjagt, weil sie den Geruch der Eichhörnchen so penetrant findet, flüchten diese, laut keckernd, behend den Baum hinauf. Zurück bleiben mysteriöse Spuren am Fuß der Bäume.
Ich träume. Und werde geweckt von einem kalten Regenschauer, der in mein Gesicht peitscht.

Spitze(n) im Geschmack – Maitriebe schmecken räumlich

gj 29. Mai 2010

Dass etwas räumlich schmecken kann, wird weiter unten im Beitrag geschildert.
Bäume kann man essen! Nun ja, nicht den gesamten Baum. Das überlasse ich bestimmten Tierarten. Aber die Triebspitzen diverser Nadelbaumarten esse ich sehr gerne. April und dann besonders im Mai ist die hohe Zeit ihrer Verwendung als kräftigendes, stärkendes Lebensmittel.
Wer jetzt anmerkt, dass der Mai für dieses Jahr schließlich so gut wie vorbei ist, und sich fragt, warum ich erst jetzt darüber schreibe, da muss ich recht geben, es ist spät. Aber ganz so sklavisch ist das mit den Zeiten und dem Namen nicht gemeint. Kennzeichnend für die Maitriebe, sie sind frisch hellgrün, noch weich und nicht verhärtet. Solange diese Merkmale zutreffen, kann man zugreifen. Später ist es einfach nur mühselig, sie zu verspeisen und es knackt auch komisch im Mund. Eine Verwendung ist auch dann noch möglich, z.B. als Fichtennadeltee.
Manch einer mag vielleicht die Verwendung der Maitriebe im Fichtenzapferlhonig kennen (hilft gut gegen Husten). Aber warum nur als Hustenhonig, wenn sie auch so gegessen werden können. Ganz ausgezeichnet und sehr eigen im Geschmack, bringen sie eine einzigartige, feine, zitronig-harzige Note in das Essen.

Und darüber hinaus? Was vermittelt sich abgesehen vom eigentlichen Geschmack noch über das Essen? Welch besondere Wirkung sich manchmal entfaltet, konnte mir Christiane schildern.
Sie aß meinen Wildsalat, wie schon öfter dieses Jahr. Dieses Mal aber legte sie zwischendrin das Besteck beiseite und fragte mich:
“Was hast Du heute bloß mit dem Salat gemacht?”
“Nichts anderes als sonst auch. Chinakohl, Fenchel, Wildkräuter, Buttermilch und alles andere auch. Alles wie sonst.”
“Die Wildkräuter, so kraftvoll, so viel Licht, so stark heute. Woran liegt das? Welche Blumen hast Du da rein getan?”
“Ich habe keine Blumen rein getan.”
“Warum schmeckt es dann nach Blüten? Es schmeckt hell. Und der Salat ist ganz seltsam kühl. Hast Du den vor dem Essen gekühlt?”
“Ich habe ihn nicht gekühlt. Was merkst Du noch?”
“Es ist anders als sonst. Sonst ist es auch gut, sonst schmeckt es auch, es ist immer etwas besonderes. Aber heute, heute ist etwas anders. Als ob sich große, weite Räume nach oben öffnen und gleichzeitig eine Verbindung zur Erde aufgebaut wird. Ich habe das Gefühl es ist ein räumliches Essen.”
Ich sagte ihr, dass ich heute Bäume reingetan hätte.
Daraufhin sie: ”Das ist das erste Mal, dass ich etwas Räumliches gegessen habe. Ich wusste nicht, dass ein Essen räumlich werden kann. Ich hatte nicht das Gefühl, dass es eine Substanz ist, sondern ein aufgedehnter Raum. Ein ganzes Universum erschließt sich. Es macht nachdenklich, still, demütig und bescheiden.”

Übrigens: in vielen deutschen Gärten stehen Fichten oder Tannen; einfach mal die Maitriebe probieren; einfacher geht die Ernte kaum; und vielleicht erleben andere Menschen dann auch ähnliches beim Essen.